Montag, 15. Februar 2021

Neues aus Rwankuba

Rundbrief Frühjahr 2021

2020, ein Jahr, das für die Partnerschaft Rwankuba so verheißungsvoll begonnen hatte, überfiel alle Menschen ab März mit den größten Unsicherheiten, die die Pandemie mit sich brachte.

Wie jedes Jahr, so möchte ich Ihnen/Euch berichten was sich und uns in unserer Partnerschaft mit Rwankuba in 2020 bewegt hat.

Mitte Februar besuchte uns der neue Erzbischof von Kigali, Monseigneur Antoine während seiner Europareise. Ein Besuch in Speyer und im Rathaus Ludwigshafen standen auf dem Programm. Am Abend fand ein Pontifikalamt statt mit anschließender Begegnung mit dem
Erzbischof im Pfarrzentrum St. Michael. Am Folgetag wurde Mgr. Antoine von Innenminister Lewentz in Mainz empfangen, von wo er dann seine Weiterreise antrat.
Papst Franziskus ernannte Monseigneur Antoine im November zum Kardinal.  Er ist der erste Kardinal, der aus dem Land Ruanda kommt und halb Ruanda war im Freudentaumel!

Als bei uns Mitte März der Lockdown begann, hatte auch Ruanda Schulschließungen verordnet. Gottesdienste mussten eingestellt werden.  Eine Ausgangssperre wurde verhängt. Tagelöhner verloren ihre Arbeit von jetzt auf nachher und wussten nicht mehr wie sie ihre Familien ernähren sollten. Sie zogen aufs Land zurück, in der Hoffnung, dass sie dort vielleicht auf den Feldern helfen könnten, um Nahrung zu bekommen.

Im Mai 2020 erwies sich in Ruanda die Regenzeit als sehr heftig. Besonders den Norden hat es schwer getroffen, wo auch unsere Partnergemeinde Rwankuba liegt.
Es waren immer mal wieder Nachrichten zu hören, dass Hänge abgerutscht, Felder verwüstet und Flüsse über die Ufer getreten seien. Im nahegelegenen Fluß Nyirabarongo rissen die Fluten eine Brücke weg und fünf Menschen kamen zu Tode. Die sintflutartigen Regenfälle hielten über Wochen an und verwüsteten die Gegend.
Häuser waren abgerutscht und hatten auch das Vieh in den Ställen in die Tiefe gerissen. Auch ein großer Teil der Ernte wurde vernichtet. Ich erzählte davon in meinem Bekanntenkreis und war sichtlich über die Welle der Hilfsbereitschaft berührt!

Nahezu 1000 Menschen in Rwankuba wurden obdachlos. Man hat sie in den aufgrund des Lockdowns leerstehenden Schulen untergebracht. Die Bevölkerung und „Caritas“, sowie „Brot für die Welt“ sorgten für die allererste Hilfe, bis unsere finanzielle Unterstützung ankam. Es wurden 193 Familien mit Nahrung, Kleidung, Kochgeschirr etc. versorgt.

Rwankuba schickte uns eine Bestandsaufnahme, welche besagte, dass 35 Häuser und Ställe abgerutscht seien samt Vieh. Menschen kamen nicht zu Schaden. 64 Häuser seien reparaturbedürftig.
Dies war für uns ein dringendes Alarmsignal eine großangelegte Sofort-Nothilfe zu starten.
Zunächst wurden die Häuser repariert, damit sich die Lage in den Notunterkünften schneller entspannte.  Gleichzeitig wurde mit Hilfe der kommunalen Verwaltung Land gesucht. Familien, die ein krankes Familienmitglied zu versorgen hatten bekamen als erstes ein neues Häuschen. Die Pfarrei Rwankuba organisierte zusammen mit der Kommune die Durchführung der Bauarbeiten. Es wurde sehr zügig gearbeitet, denn man wollte vor September fertig sein, zum einen weil die zweite Regenzeit bevorstand und der Lockdown der Schulen am 2. September zu Ende gehen sollte.

Alle Familien erhielten rechtzeitig ihr Häuschen. Für den Innenausbau waren sie allerdings selbst verantwortlich.
Insgesamt konnten wir 27 neue Häuschen errichten lassen, alle Reparaturen übernehmen und den Familien mit Lebensmittelspenden zum Überleben helfen und das alles dank Ihrer/Eurer Hilfe!

Die Schulen in Ruanda öffneten letztendlich jedoch erst im November wieder, nachdem sie die Hygienemaßnahmen erfüllt hatten, die der Staat vorgegeben hat.

Die Schülerpatenschaften bestehen nach wie vor für z.Z. 33 Schüler*innen. Wir übernehmen Unterkunft, Verpflegung und Schulmaterial. Ebenso auch für sechs Schüler*innen, die in Musanze einen Handwerksberuf erlernen. Vestine war unsere erste Auszubildende. Sie wird im Sommer nach 3-jähriger Ausbildung ihr Examen im Schneiderhandwerk ablegen.
Die Kindergartenkinder erhalten weiterhin ihre „Bouillie“, ein flüssiger Brei aus Sorgho-Mehl, Milch und Zucker.

Die neuerbaute Internatsküche, die von der IGS LuGa, von unserem Förderkreis, mit Landesmitteln aus RLP und Mitteln der Diözese Kigali finanziert wurde, konnte leider nicht wie angedacht in Augenschein genommen werden.
Die geplante Reise der IGS wurde aufgrund der Pandemie storniert.
Stattdessen hat die IGS die Eltern und Kinder ihrer Partnerschule finanziell unterstützt, damit sie nicht Hunger leiden müssen.
Auch das Geschwister-Scholl-Gymnasium ließ ihrer neuen Partnerschule Bumba/Rwankuba Hilfe zukommen. Die geplante Anbahnungsreise musste ebenso storniert werden.
Die Albert-Schweitzer-Grundschule sponserte ihrer Partnerschule Karushashi/Rwankuba aus dem Erlös ihres Schulfestes 30 Tische, 60 Bänke und 100 Stühle, die in der Schreinerei Rwankuba angefertigt wurden.

In Ruanda ist inzwischen wieder ein strenger Lockdown verordnet worden. Die Menschen dürfen sich nur innerhalb ihres Distriktes bewegen.
Eine aktuelle Bestandsaufnahme wurde uns aus Rwankuba geschickt, die besagt, dass weitere Häuschen als Folge des Starkregens inzwischen instabil seien und ersetzt werden müssten.
Vielleicht dürfen wir hierbei auch wieder mit Ihrer/Eurer Hilfe rechnen?
Die mittellosen Familien benötigen dringend Lebensmittel und Saatgut und für ihre Kinder Schulmaterial und eine Schuluniform.

Ohne Ihre/Eure Hilfe hätten wir im vergangenen Jahr nicht so viel Not lindern können! Dafür sage ich, auch im Namen Rwankubas ein herzliches Dankeschön und wünsche allen für 2021 alles Gute!
Marlene Schneider                    

Vorsitzende Partnerschaft Rwankuba, Ludwigshafen
Mitglied im Vorstand des Vereins RLP - Ruanda e.V., Mainz  

Ludwigshafen im Januar 2021                                       

Konto: Kath. KiSt Rwankuba, IBAN: DE556709 0000 0085 2685 03, VR-Bank Rhein-Neckar,
Verwendungszweck: Nothilfe Rwankuba